Abstract schreiben – Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Beispielen

Ratgeber Promotion / DissertationAbstract schreiben

Ein Abstract ist ein kurzer Abriss und eine knappe Inhaltsangabe. Gerade ungeduldige Leser lesen gerne den Abstract, um zu entscheiden, ob sich ein tiefer gehendes Lesen wirklich lohnt.

Der Abstract soll den Leser informieren und möglichst neugierig darauf machen, was in der Masterarbeit, dem Konferenzvortrag oder in dem Beitrag zum Sammelband zu erwarten ist. Sinnvoll ist es dabei, explizit die Lesergruppen anzusprechen, für die der Text besonders geeignet ist. Der Abstract ist v. a. bei Master- und Bachelorarbeiten sprachlich nüchtern und sachlich zu halten. Den Leser interessieren v. a. folgende Fragen: Was sind die wichtigsten Ergebnisse? Welche Methodik wurde wie angewendet? Was sind die wichtigsten Schlussfolgerungen usw.?

So können Sie bei Schreiben starten

Wenn Sie mit den Zielen der Arbeit starten und danach etwas zur Theorie oder Untersuchungsmethode schreiben, ergibt sich meist ein guter Start. Zwei Beispiele dazu.

Das Ziel der vorliegenden Bachelorarbeit war es, die wichtigsten theoretischen Konzepte (Müller 2007; Meyer 2012; Schulz 2015) zum kreativen Schreiben theoretisch zu vergleichen und empirisch zu überprüfen. Dazu wurden zehn Studierende in qualitativen Interviews befragt. Die Ergebnisse bestätigen zum großen Teil die Annahmen bei Müller, Meyer und Schulz. Folgende Schlussfolgerungen gehen jedoch nach der Auswertung der Interviews über die theoretischen Annahmen hinaus: A, B, C … Die Bachelorarbeit ist sowohl für Studierende im Lehramt Deutsch als auch für Lehrende im Bereich Schreibdidaktik interessant.

Abstract Beispiel 2:

Die vorliegende Masterarbeit gibt einen Überblick über die Bedingungen und Auswirkungen von Produktionsketten am Beispiel der Firma Apple. Dabei wurde die Funktionsweise der Produktionsstätten in Südostasien organisationspsychologisch untersucht. Danach wurden diese Erkenntnisse mit anderen Smartphone-Herstellern verglichen und Handlungsempfehlungen aus Arbeitnehmer- und Arbeitgebersicht entwickelt. Die Basis der Masterarbeit sind Experteninterviews in Deutschland sowie die Studien von Beyer (2014), Johnson (2012) und Wenig-Li (2015) zu den Arbeitsbedingungen in Shanghai. Der Autor erhofft sich dadurch einen interdisziplinären Erkenntnisgewinn.

Der Abstract – häufig gibt es Vorgaben

Bevor Sie mit dem Schreiben loslegen, vergewissern Sie sich, ob es Vorgaben gibt. So darf bei Bachelorarbeiten und Masterarbeiten der Abstract üblicherweise höchstens eine halbe DIN-A4-Seite lang sein, also maximal 150 bis 250 Wörter umfassen. Einige Prüfer machen genaue Vorgaben, andere lassen mehr Freiheit und akzeptieren auch längere Abstracts. Bei Fachzeitschriften und Konferenzbeiträgen gibt es fast immer sehr genaue Vorgaben.

Ihr Abstract sollte genau, vollständig, kurz, knapp, objektiv und vor allem verständlich sein.

Definieren Sie die Adressaten des Abstracts: Soll nur das Fachpublikum angesprochen werden? Oder soll er für jeden Leser selbsterklärend sein? Vergleichen Sie Abstracts in Sammelbänden und wissenschaftlichen Zeitschriften, und Sie werden große Unterschiede feststellen.

Ein pragmatischer Ansatz beim Schreiben des Abstracts

Überlegen Sie sich die verschiedensten Stationen Ihrer Arbeit. Wie bei einer Reiseroute müssen Sie nur die wichtigsten Orte nennen, die Sie bereist haben, und nicht jeden

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Baum am Weg. Schreiben Sie dazu bspw. zu jedem der folgenden Punkte eigene Stichpunkte bzw. Sätze. Mit sogenannten W-Fragen (Was? Wie? Wo?) identifizieren Sie mögliche Inhalte Ihres Abstracts.

Sie können bewusst und sinnvoll aus dieser Kriterienliste auswählen. Die Liste soll nur der grundsätzlichen Orientierung dienen. Benennen Sie gerne auch Leerstellen, weisen Sie also darauf hin, wenn Sie bei einem wichtigen Punkt keine Antwort gefunden haben bzw. zu keiner klaren Erkenntnis gelangt sind.

Nach dem Entwurf: systematisches Vervollständigen

Bravo, Sie haben bereits einen Rohentwurf des Abstracts zusammengestellt! Einige von Ihnen schreiben schon sehr früh einen Abstract, für andere ist das erst am Ende des Arbeitsprozesses möglich. Egal, wann Sie die erste Fassung Ihres Abstracts zu Papier gebracht haben – wie geht es jetzt weiter? Vervollständigen Sie Ihren Abstract entsprechend der besagten Leerstellen in der oben angeführten Checkliste. Nun können Sie den Abstract überarbeiten.

Gerade weil es sich um eine sehr kleine Textmenge handelt, ist die inhaltliche und sprachliche Qualität sehr wichtig. Seien Sie ehrlich: Sie wollen selbst auch keine Abstracts lesen, in denen wesentliche Informationen fehlen oder die den Leser verwirren. Der sprachliche Spielraum ist beim Abstract nicht groß: Er sollte nüchtern, sachlich und leserfreundlich sein. Je nach Publikation kann jedoch differenziert werden: Bei einer Masterarbeit ist der Spielraum eventuell geringer als bei einem Sammelband mit studentischen Einzelbeiträgen. Nutzen Sie den Spielraum, der Ihnen zur Verfügung steht, und ziehen Sie den Leser mit dem Abstract in Ihren Text – wie ein freundlicher Fährmann, der eine kleine Reiseroute von Hamburg nach Dresden anbietet. Sie können folgendermaßen vorgehen:

  • Sind die wichtigsten Ergebnisse der Master /Bachelorarbeit enthalten?
  • Müssen Ergebnisse gestrichen werden, die weniger wichtig sind?
  • Ist der Abstract selbsterklärend, kann der Leser ihn verstehen, ohne die ganze Master /Bachelorarbeit kennen zu müssen?
  • Gibt es logische oder sprachliche Brüche im Textfluss?
  • Korrektur: Rechtschreibung, Schriftart und die maximale Wortanzahl überprüfen.
  • Bonus: Macht der Abstract inhaltlich und sprachlich neugierig?

Erweiterte Hinweise zum Überarbeiten: Feedbackpartner / critical friends

Wenn Sie alleine nicht mehr weiterkommen und/oder wenn der Abstract sehr gut werden soll (z. B. für ein Call for Papers), dann bietet sich folgende Checkliste an:

  • Sehen Sie sich andere Abstracts in Fachzeitschriften und Sammelbänden an, die thematisch nahe an Ihrer Master /Bachelorarbeit liegen. Was ist dort konkret gut, was ist weniger gelungen?
  • Geben Sie einen konkreten Feedbackauftrag an Kommilitonen und/oder Freunde. Dabei soll es um folgende Fragen gehen: Inwieweit ist der Abstract selbsterklärend? Wo gibt es sprachliche Brüche? Welche Informationen fehlen?
  • Wenn Sie einen Abstract schreiben, um an einer Konferenz teilzunehmen, so folgt auf eine vorläufige Annahme meist eine Überarbeitungsphase. Dabei melden sich oft zwei sogenannte Reviewer bei Ihnen. Versuchen Sie jetzt, die Hinweise der Reviewer sorgfältig zu berücksichtigen, und nutzen Sie ggf. wieder die Hilfe Ihrer Kommilitonen und/oder Freunde. Es wird sich lohnen.

Viel Erfolg!


Category: Abstract

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